Posts gespeichert unter 'Aus dem Fundbüro'

Wie die Maus die Gitarre wiederfand

Dies ist die Geschichte von Franzl und seiner Gitarre; sie soll jenen Hoffnung machen, die einen ihnen wichtigen oder wertvollen Gegenstand verloren haben, die Suche aber noch nicht aufgeben konnten. Denn “mit Geduld und Spucke”, unerwarteten Zufällen oder trickreichen Ideen kann so manches wieder auftauchen - allerdings ist es möglich, dass so ein Wiederfinden mit einigen Komplikationen und unangenehmen Sachverhalten verbunden ist…

Franzl fuhr im Februar spät abends von einem Auftritt mit seiner Band nach Hause. Weil er Student ist, hat er kein Auto und fährt immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, dieses Mal waren es über 30 Minuten mit der S-Bahn, denn ihr “Gig” hatte ein bisschen außerhalb von München stattgefunden. Aber obwohl er Student ist, hat er eine relativ teure Gitarre; er hatte mehrere Semesterferien dafür gearbeitet und gespart, sie war wirklich ein tolles Einzelstück und perfekt für den Sound seiner Band. Es war ein erfolgreicher Auftritt gewesen und er hatte das mit seinen Musikfreunden noch kräftig gefeiert. Nicht verwunderlich also, dass er in der S-Bahn einschlief und an seiner Haltestelle panisch aufschreckte und schnell aus der Bahn sprang, bevor sie wieder weiterfuhr.

Für Franzl war es aber schon verwunderlich, dass seine geliebte Gitarre am nächsten Morgen unauffindbar war; er hatte sie noch nie irgendwo vergessen, nur selten ließ er sie überhaupt zu Hause oder aus den Augen. Sie war sein bester Freund und ständiger Begleiter. Dass er sie in der S-Bahn noch hatte, war ihm klar - genauso wie die Tatsache, dass er sie beim Aussteigen nicht mitgenommen hatte. Sein schlechtes Gewissen war groß, seine Trauer noch größer und seine Angst, sie nie wieder zu sehen, am größten.

Selbstverständlich suchte er nach ihr - in allen S-Bahnen, die an diesem Tag an seiner Haltestelle hielten, in allen städtischen Fundbüros, im Fundamt der S-Bahn usw. Als nach 24 Stunden bei keinem der Büros der öffentlichen Verkehrsmittel eine Nachricht oder Fundmeldung eingegangen war, erstattete er der Polizei Bericht und gab eine Suchmeldung auf. Er hörte über ein Woche nichts mehr von diesen Behörden, auch nicht von seiner Gitarre.

Franzl war sehr verzweifelt; es war eine schlimme Zeit ohne sein Lieblingsstück. Aus Langeweile - und weil ihm einfach nichts mehr einfiel - surfte er stundenlang im Internet und suchte bei Online-Fundsachen-Versteigerungen aus ganz Deutschland, fand aber nichts. Mehr aus Versehen statt aus Zufall klickte er auf eine private Versteigerungssite - später dachte er, seine Computermaus habe sich in dem Moment wahrlich selbständig gemacht. Und auf exakt dieser Seite wurde SEINE Gitarre angeboten! Franzl konnte es nicht fassen; dass ein Fremder versuchte, seine Gitarre zu verkaufen, war die eine Sache, aber dass dieser die Gitarre für gerade mal 50 Euro verscherbeln wollte, war eine ganz andere! Ein zweites Mal innerhalb von zehn Tagen lief Franzl aufgeregt zur Polizeistation um die Ecke - und erstattete Strafanzeige gegen den fremden jungen Mann. Die Ermittlungen wurden aufgenommen, die wertvolle Gitarre konnte rechtzeitig sichergestellt und in Franzls offene Arme gelegt werden.
Selbstverständlich ist er darüber sehr glücklich; aber er ärgert sich immer noch über die Dreistigkeit des Mannes, der seine Gitarre unrechtmäßig verkaufen wollte. Gegen ihn ermittelt die Polizei inzwischen wegen Diebstahls und Hehlerei. Und Franzl hat aus dieser Sache nicht nur gelernt, NOCH besser auf sein Instrument zu achten, sondern auch, dass manche Abwege und Zufälle hilfreicher sind, als man sich denken könnte…

30. März 2010

ältere Beiträge


Kalender

September 2010
M D M D F S S
« Mai    
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930  

Monatsarchiv

Themenarchiv